Irina Brucks von apesta: Im Einsatz gegen Schädlinge

Goslar ist eine gastfreundliche Stadt. Sie gibt sich jedenfalls Mühe. Manche Völker sind jedoch nicht überall willkommen: Am Samstag ging es einem Wespenstaat an den Kragen. Er hatte sich im Bäckergildehaus, Sitz der Industrie- und Handelskammer, eingenistet – und munter vermehrt. Kurz vor 8 Uhr morgens, die Schädlingsbekämpferin ist schon vor Ort.
Irina Brucks wartet auf die Dachdecker; denn ohne Hubsteiger kommt sie nicht an den Eingang, den die Wespen sich ausgesucht haben – er liegt ungefähr in zehn, zwölf Meter Höhe. Eine Stadtführerin hatte den regen Flugverkehr bemerkt – und die IHK informiert. Das Problem ist die Aggressivität der Wespen, erläutert Brucks, die es sonst lieber mit ökologischen Lösungen hält: „Wespen sind einjährig.“ Das heißt, wenn man sie lässt, wo sie sind, sterben sie irgendwann im Winter ganz von selbst.

In der Einflugschneise

Kein Trost für die Nachbarn, deren Fenster in der Einflugschneise liegen: „Die Wespenzeit fängt gerade erst an“, erklärt Brucks; und Wespenstiche sind für Menschen, die allergisch reagieren, im schlimmsten Falle lebensgefährlich. Auch ein Sommer kann lang werden, wenn man die Fenster nicht öffnen darf; und so ein Staat der „gemeinen Wespe“, um die es sich hier handele, könne gut und gerne G 3000 bis 5000 Mitglieder haben und einen Umfang von zwei Metern erreichen. Mehrere hundert Wespen wurden bereits tot auf dem Fußboden einer leerstehenden Wohnung im Haus gefunden – offensichtlich haben die Tiere einen Durchschlupf in der Balkenkonstruktion gefunden. Es wurde „Gefahr im Verzug“ konstatiert: „Die Sicherheit der Mieter geht vor“, entschied die IHK und beauftragte Brucks. Die 50- Jährige hat sich erst im Mai mit ihrem in Goslar ansässigen Schädlingsmanagement selbstständig gemacht; als ehemalige Architektin bewundert sie die Wespennester, die wie „Kunstwerke“ aussähen.

Ökologische Mittel ­bevorzugt

Schnell, einfach, effizient: Mit dem Einsatz von Chemie könne man den meisten Schädlingen den Garaus machen. »Allerdings ist das nicht der Weg, den ich favorisiere. Lieber rücke ich ihnen mit ökologischen Mitteln zu Leibe.« Etwa mit dem Heißdampfgerät, das Insekten mit hohen Temperaturen aus der Welt schafft; und mit Kieselgur, das hauptsächlich aus Algen besteht und beispielsweise gegen Silberfische und Kellerasseln wirkt. »Was kann ich tun, um den Menschen und seine Umwelt nicht zu belasten? Das ist die Frage, die ich mir stelle.«

Quelle: www.goslarsche.de, Sabine Kempfer

Wespeneinsatz am Bäckergildehaus

Häuser wie diese sind es, die Irina Brucks bewogen haben, nach Goslar zu ziehen und hier eine Firma zu gründen. Die ehemalige Architektin findet die Stadt „wunderbar“, ihre Kulturgüter „einzigartig“ – seit Mai geht sie in ihrer Wahlheimat auf Schädlingsjagd.

Ein ruhiger Morgen

8 Uhr morgens, Dachdeckermeister Bernd Timme kommt mit Verstärkung und entsprechendem Gefährt. Es passt genau auf den kleinen Vorplatz an der Giebelseite des historischen Hauses – wie dafür gemacht. Der Verkehr kann ungehindert weiter fließen – noch fließt allerdings nicht viel. Auch die Wespen sind noch inaktiv – Grund für die Auswahl der Uhrzeit. Lagebesprechung am Boden, dann steigt Irina Brucks in den Korb. Mehrere Anläufe werden notwendig sein, um ein giftiges Pulver durch die Balken in Richtung Nest zu schießen – es liegt gut versteckt zwischen dem Gebälk. Wolfgang Kraus ist einer derjenigen, die den Akt von der Straße aus beobachten – seit 39 Jahren nimmt er die Hausmeisterfunktion bei der IHK wahr. „Wir hatten schon mal ein Wespennest“, erinnert er sich, „aber das ist schon mindestens 20 Jahre her“. Beim zweiten Aufstieg zieht Irina Brucks Schutzkleidung an; sicher ist sicher. „Nicht einatmen, keine hektischen Bewegungen machen“, rät sie Sven Bieda, der den Hubwagen vom Korb aus manövriert – so nah wie möglich ran an die Einflugschneise. Auf die Gaspistole, die das Insektizid versprüht, hat Brucks einen Verlängerungsstab geschraubt, der vorne in einen flexiblen Schlauch übergeht – so kommt sie besser ans Ziel. „Paff, paff, paff“ tönt es von oben – das Pulver wird verschossen. Es ist 9 Uhr. Aus Sicherheitsgründen wiederholt Brucks den Vorgang – wie groß der Staat schon ist, kann sie nur raten. Bei dem erforderlichen Aufwand will sie ganz sicher gehen. Um halb zehn kann Brucks wieder einpacken, auf zum nächsten Einsatz gegen Schädlinge aller Art, Holzwürmer, Nagekäfer, Insekten.